Wohn-Symbiose zurück

04/2009

Nachdem das um 1890 erbaute Herrenhaus von seinen Vorbesitzern in den Siebzigern herzlos dem damaligen Stil angepasst und 30 Jahre abgewohnt wurde, ähnelte das Objekt beim Kauf eher einer alten Kaserne als einem Wohnhaus. Daher sprach damals alles für den Abriss des Gebäudes. Nach positiver Beurteilung der Bausubstanz verfielen die Besitzer jedoch entgegen aller Empfehlungen dem Reiz der Herausforderung aus diesem Schandfleck ein Traumhaus zu schaffen und entschieden sich für eine Generalsanierung.

Wohnen im Sadtgebiet
Schnell entstand die Vision zweierlei Ansätze symbiotisch zu einem einzigartigen Ganzen werden zu lassen. Einerseits wollte man die letzten Jahrzehnte der Abwohnung und lieblosen Umgestaltung wieder entfernen und den damaligen Glanz in zeitgemäßer Interpretation wieder auferstehen lassen. Andererseits sollte ein moderner und offener Zubau den Wohnraum in die Natur hinaus erweitern und die klassische Raumstruktur in ein kommunikatives und über alle Ebenen offenes Gesamtgefüge verwandeln.
   
Wohnen im Stadtgebiet
Die Spannung zwischen Alt und Neu, zwischen massiver Ziegelmauer und luftigen Glasflächen und das Spiel mit Licht, Größe und Raumwirkung, das war das Animo der Bauherren, um das Projekt in Angriff zu nehmen und innerhalb von 2 Jahren mit viel Eigenleistung und großem Perfektionismus aus dem Schandfleck das heutige Vorzeigeobjekt im Ortsbild zu entwickeln
   
 Wohnan im Stadtgebiet
Den Rückbau bis aufs rohe Mauerwerk absolvierte die Familie in 12 Monate in reiner Eigenleistung. Jeglicher Putz, Estrich, Zwischenwände, Holztramdecke wurden per Hand entfernt und die 45 Tonnen Schutt fachgerecht entsorgt. Viel Augenmerk legte man auf Wiederverwendung. So wurden die ca. 1500 Original Bodenziegel vom Dachboden Stück für Stück ins Freie transportiert, gereinigt, gelagert, nochmals gereinigt und anschließend im Keller als Bodenbelag wieder verwendet. Der Originaldachstuhl wurde per Hand gebürstet und anschließend lediglich mit ökologischem Holzschutzwachs eingelassen.
   
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Durch die Anbringung der Dämmung als Aufsparrenvariante ist heute der über 100 Jahre alte Dachstuhl in seiner ganzen schokoladenbraunen Pracht sichtbar. Des weiteren wurde bei der Sanierung des naturgemäß feuchten Kellers anstelle massiver Trockenlegungsmaßnahmen auf einfache physikalisch Methoden zum Herstellen eines stabilen Raumklimas und einer verträglichen Mauerfeuchte wie Putzentfernen, andauernde Belüftung, hinterlüftete Vorsatzschale als Sockelfassade und Drainagen zurückgegriffen.
   
. Das Ergebnis ist ein harmonischer aber spannungsreicher Dialog zwischen Alt und Neu, klassischer Formgebung im Bestandsteil und moderner Zergliederung im Zubau. Zur Straße hin präsentiert sich ein klassischer massiver Ziegelbau, der sich in den Garten mit einem durchsichtigen Holz-Zubau erweitert, in dem der neue Eingang untergebracht ist und die luftige Stiege alle 4 Ebenen verbindet.
   
bvd

Vom Gründach aus kann man das ganze Dorf überblicken. Einen Teil dieses Ausblickes genießen wir auch vom Bett aus, wenn wir unseren Blick über den Balkon in die Natur schweifen lassen. Im Dachgeschoss, das bis zum First offen ist, spürt man schon die Freiheit, die große Raumhöhen vermitteln. Das beruhigende Braun des alten Dachstuhls liefert den Kontrast zum Weiß der Wände und Decken. In der dottergelben nach oben offenen Dusche geht jeden Morgen die Sonne auf und der Tag kann beginnen.

 

     

 

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Mittels Gitterrost-Steg gelangt man über den Luftraum zur Stiege, die einen ins Erdgeschoss bringt. Hier herrscht viel Licht und Raum. Koch- und Essbereich sind mit dem Wohnbereich zu einem offenen Gesamtraum zusammengefügt. Die ehemalige Außenmauer des Bestandes wurde nahezu zur Gänze geöffnet und ist somit keine wahrnehmbare Trennung mehr. Sitzt man am großen Esstisch vor der freigelegten Ziegelmauer, so ergießt sich der Blick über den Wohnbereich mit 5m Raumhöhe und die großzügigen Glasflächen in den Garten. Die Grenzen von innen und aussen verschwinden, das Leben in der Natur ist Realität…