Aufgepasst, Grundwasser

Eines der wichtigsten Themen beim Hausbau ist das „Grundwasser“. Gebäude können „absaufen“, „aufschwimmen“ oder deren Fundamente können unterspült werden. Das kommt wesentlich öfter vor, als man denkt.

Erfolge von „Wünschelrutengehern“ sind jedenfalls dadurch zu erklären, dass unter der Erdoberfläche immer Wasser vorhanden ist. Man muss nur tief genug graben. Das Fachgebiet heißt Hydrogeologie.

Grundwasser wird meist als „unterirdisches Wasser“ definiert, was durchaus zu Fehleinschätzungen führt. Man könnte glauben, „was unterirdisch ist, kann ja nicht von oben kommen“. Aber das stimmt nicht ganz. Der Begriff „Grundwasser“ umfasst Regen- oder Schmelzwasser, das als Oberflächenwasser im Boden versickert, und Wasser, das durch die Sohle oder das Ufer von Oberflächengewässern den Untergrund infiltriert. Vorsicht ist auch bei einem Wasseranstau aus Hanglagen geboten. Insbesondere auf Böden, die wenig wasserdurchlässig sind. Da genügt zumeist ein starker Regen, um das Wasser massiv an den Kellerwänden anzustauen.

Ebenso problematisch ist Schichtenwasser. Darunter versteht man Wasser, welches durch einen nichtleitenden Boden am Versickern gehindert wird (oft passiert das oberflächennah und unabhängig vom Grundwasserspiegel). Schichtenwasser ist das landläufig sogenannte „Quellwasser“.

Schlussendlich ist es eigentlich sinnlos, zwischen Bergwasser, Schichtenwasser, Sickerwasser und Grundwasser eine Unterscheidung zu suchen. Wasser unter der Grasnarbe der Geländeoberkante (GOK) ist baupraktisch Grundwasser. Sie sollten lediglich prüfen, ob das Fundament oder der Keller in den nächsten 100 Jahren einmal im Wasser stehen könnte (HQ100). Das ist wichtig für die Qualität der Feuchtigkeitsabdichtung, die Lage und Ausführung der Kellerfenster, die Statik des Baukörpers und für die Frage einer möglichen Fundamentunterspülung.

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Der Bemessungswasserstand

Will man bestmöglich bauen, ist der sogenannte Bemessungswasserstand die ausschlaggebende Komponente. In der WU-Beton-Richtlinie (WU = Wasserundurchlässige Bauwerke) des Deutschen Ausschusses für Stahlbeton (DAfStb) wird dieser auszugsweise folgendermaßen definiert: Auszugehen ist von „dem höchsten innerhalb der planmäßigen Nutzungsdauer zu erwartenden Grundwasser-, Schichtenwasser- oder Hochwasserstand unter Berücksichtigung langjähriger Beobachtungen und zu erwartender zukünftiger Begebenheiten: dem höchsten planmäßigen Wasserstand“ plus in der Regel 30 cm Sicherheitszuschlag.

Dazu die baurechtlich relevante OIB-Richtlinie 3:

6.3 Vorsorge vor Überflutungen

Falls das Fußbodenniveau von Aufenthaltsräumen nicht über dem Niveau des hundertjährlichen Hochwasserereignisses liegt, muss Vorsorge für einen gleichwertigen Schutz gegen Überflutung getroffen werden.

Wunderbar ergänzt hat das NÖ LGBl. Nr. 4/2015 – Ausgegeben am 15.Jänner 2015:

6.1 Schutz vor Feuchtigkeit aus dem Boden

Bauwerke mit Aufenthaltsräumen sowie sonstige Bauwerke, deren Verwendungszweck dies erfordert, müssen in all ihren Teilen dauerhaft gegen das Eindringen und Aufsteigen von Wasser und Feuchtigkeit aus dem Boden geschützt werden. Das Fußbodenniveau von Aufenthaltsräumen zum Wohnen muss mindestens 50 cm über dem höchsten örtlichen Grundwasserspiegel liegen.

Ergänzung zu 6.3:

Das Fußbodenniveau von Aufenthaltsräumen zum Wohnen muss in Hochwasserüberflutungsgebieten jedenfalls mindestens 30 cm* über dem hundertjährlichen Hochwasser** liegen.

*Ein gleichwertiger Schutz wird beispielsweise erreicht, wenn die vom Hochwasser gefährdeten Räume in einer wasserdichten Wanne liegen und allfällige Öffnungen ins Freie über dem Hochwasserniveau liegen.

**Das Niveau des hundertjährlichen Hochwassers (HQ100) ist beim zuständigen hydrographischen Dienst des jeweiligen Bundeslandes oder einem Geotechniker zu erfragen.

Gefahren durch Grundwasser

Das Grundwasser kann Chemikalien beinhalten. Kohlensäure, Ammoniumsalze, Magnesiumchlorid und Sulfate können den Beton und die Stahlbewehrung angreifen. Daher ist eine Probe des Grundwassers zu entnehmen, wenn Betonteile mit dem Grundwasser in Berührung kommen. Diese Probe kann im Umweltlabor chemisch untersucht werden.

Gegebenenfalls kann man kalkarme oder sulfatbeständige Zemente verwenden. Damit wird die Widerstandskraft gegen chemische Angriffe, dort, wo eine schützende Außenabdichtung fehlt, verbessert.

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Grundwasserabsenkung

Wenn die Baugrube für Ihr zukünftiges Haus bis in den Grundwasserleiter hinabreicht, ist es durchaus auch möglich, das Grundwasser zu senken. Bei kleineren Baugruben funktioniert das gut mit einer Pumpe. Auf diese Weise lassen Sie das Abwasser so weit wie möglich in einer entfernten Oberflächenmulde oder einem Sickerschacht versickern. Das nennt man „offene Wasserhaltung“. Es ist allerdings nicht (oder nur in seltenen, genehmigungspflichtigen Ausnahmefällen) gestattet, das abgepumpte Grundwasser in den Kanal zu leiten.

Bei größeren Baugruben, die bis in einen ergiebigen Grundwasserleiter hinabreichen, muss man einen Brunnen rund um die Baugrube errichten und so den Grundwasserspiegel senken. Das nennt man „geschlossene Wasserhaltung“ und wird im Allgemeinen erforderlich, wenn der Grundwasserspiegel mehr als 20 Zentimeter über dem tiefsten Punkt, der „Baugrubensohle“, steht.

Achtung

Manchmal wird die Grundwasserhaltung beendet, sobald die Kellerwände fertiggestellt sind. Das ist jedoch zu früh, denn das Bauwerk ist möglicherweise noch nicht ausreichend steif und schwer. Es besteht somit die Gefahr eines „aufschwimmenden Kellers“. Außerdem können die Wände des Kellers eingedrückt werden.

Oftmals ändert sich während der langjährigen Gebäudenutzung die Grundwassersituation, beispielsweise wenn in der Nähe große Tiefbauprojekte wie Autobahnen oder Tunnel umgesetzt wurden. Dabei kann eine bisher wasserundurchlässige Bodenschicht durchstoßen worden sein und so einen Grundwasserstau bewirken, der bisher nicht da war. Der vermeintlich trockene Keller steht dann im Grundwasser! Daher der wichtigste Tipp: Gehen Sie immer von anstauendem Wasser aus, ausgenommen beim Häuschen auf einem einsamen Hügel.

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